Burnouts - Die Mackenburg

... doch Vorsicht - dieser Roman kann das Bewußtsein verändern !

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76. Kapitel WOLFGANG

   Abends sehe ich schon beim Betreten des Speisesaals einen "neuen" Mann an den meinem Platz gegenüberliegenden Platz unseres Tisches, den Vinzenz vor einigen Tagen verlassen hat. Ich spüre die übliche Skepsis, ob es eine verträgliche Person sein wird. Ich begrüße ihn freundlich, stelle mich mit Nachnamen vor: "Oder Regine und Du, wie Sie wollen!"

   Er erhebt sich kurz beim Händeschütteln, ist ein großer schlanker Mann in etwa meinem Alter mit gepflegter Erscheinung und Aussprache. Ich bin erleichtert, beginne zu essen.

   Zwischen dem Neuankömmling, der uns sofort anbietet, ihn Wolfgang zu nennen, und Joachim entspinnt sich eine Konversation. Sie stammen aus der gleichen Gegend, kennen sich sogar flüchtig, haben gemeinsame Bekannte. Ihr Gespräch verläuft lebhaft über Ereignisse und Veranstaltungen während der letzten Wochen, die gewählte Fahrtstrecke und die benötigte Fahrtzeit.

   Dann tritt eine Patientin zu uns an den Tisch. Üblicherweise leitet dies einen kurzen Flirt mit Joachim ein, aufgebaut auf einer belanglosen Frage. Sie setzt sich jedoch an die Kopfseite des Tisches, spricht zu meinem Erstaunen bereits sehr vertraut auf unseren Neuzugang Wolfgang ein, obwohl er erst seit dem Nachmittag im Hause ist. Wolfgang erklärt, dass die Dame seine Klinikpatin sei. Joachim sagt, dass er sie ebenfalls kenne: "Wir nehmen an der gleichen Therapiegruppe teil."

   Ich ahne bereits, wie es weitergeht: Den beiden Männern dämmert jetzt, dass sie ebenfalls der gleichen Gruppe angehören und dort voreinander über ihren Gesundheitszustand und ihre Probleme sprechen sollen. Ich sehe Joachim an, bin gespannt auf seine Reaktion. Seine Augen haben jetzt den ausdruckslosen "Therapeutenblick". Dann sagt sein Mund: "Das ist aber schön, dass wir beide uns hier getroffen haben!"

   Wolfgang ist erfreut: "Ja, das ist wirklich schön!"

   Er entschuldigt sich; seine Klinik-Patin will ihm noch das Haus zeigen. Die beiden gehen zusammen zum Ausgang.

   Eine Weile herrscht Stille am Tisch. Dann schaut sich Joachim unauffällig um, ob der Neue außer Hörweite ist, und ruft unterdrückt: "Ach du Scheiße! Ich habe wirklich nichts gegen den Mann; ich wusste ja schon von einer Bekannten, dass er auch herkommt. Gleicher Tisch ist auch noch in Ordnung. Aber gleiche Gruppe! Das ist zu viel! Dann werden meine Probleme eben nur noch im Einzelgespräch diskutiert."

   "Warte doch erst einmal ab. Du bist doch schon länger hier und der Erholtere von euch beiden. Der Neue hat bestimmt nichts dagegen, versetzt zu werden. Er kennt doch noch niemanden. Es kann ihm doch egal sein, in eine andere Gruppe zu wechseln."

"Nein, ich will nicht, dass er Unannehmlichkeiten hat. Er ist doch fremd hier. Ich werde mit meinem Therapeuten sprechen, dass ich in Zukunft in der Gruppe das Wort weitergebe."

   "Warum redest du nachher nicht mal direkt mit ihm und fragst, wie er das sieht? Das lernen wir doch hier!"

Joachim geht nicht auf die Frage ein und verabschiedet sich ernst.

 

 

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Frühere Veröffentlichung:

Goodbye, Robin

ENGLISCHE ÜBERSETZUNG
als KAPITEL-SERIE



Referenzen und Lesungen siehe Autorenhomepage www.ilse-koempel.de


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