Vinzenz fährt wie geplant ab. Leider. Die Tischgespräche mit ihm werden mir fehlen. Am nächsten Morgen verabschiedet er sich nach dem Frühstück von uns, freut sich über das kleine Buch, das die Oberhessin in unser aller Namen als Erinnerung besorgt hat.
"Es war eine anstrengende Zeit - aber es gab auch viele schöne Stunden, an die ich noch oft zurückdenken werde! Und der Kunsttherapeut wollte meine Bilder fotografieren! Ich musste sie während des Abschlussgespräches extra aus dem Zimmer holen! Er war ganz aus dem Häuschen, welche Entwicklung ich hier durchgemacht habe! Er hätte sie am liebsten behalten - aber ich habe sie nicht hergegeben!"
Dann lächelt er verschämt: "Und gestern, am vorletzten Tag, habe ich doch tatsächlich geheult... Beate hat von ihrer Trauer um ihren verstorbenen Mann gesprochen und geweint - und plötzlich haben alle geweint - ich am meisten... Ich musste daran denken, dass ich meiner Familie zugemutet hätte, täglich auf meinen Grabstein zu sehen...
Meine Stationsärztin sagte, dass es sehr gut für mich gewesen sei, jetzt offen meine Gefühle bei dem Gedanken an Tod zeigen zu können... Meine Angst vor der Operation damals, und jetzt meine Angst vor einem neuen Ausbruch meiner Krankheit... Am vorletzten Tag!"
"Vielleicht kannst du auch künftig deine Gefühle besser äußern, wenn du Angst hast oder traurig bist?"
"Vielleicht... Also dann: gute Erholung! Meine Adresse und Telefonnummer hast du ja!"
"Auf Wiedersehen, Vinzenz! Wir bleiben in Kontakt! Gute Fahrt!"




