Die Oberhessin ist in den letzten Tagen sehr nachdenklich geworden, folgt den Tischgesprächen aufmerksam, wenn sie sich um das Unverstanden-Fühlen drehen. Sie spricht morgens nach dem Frühstück, als nur noch wir beide am Tisch sitzen, über ihre Schwierigkeiten mit ihrem Mann, der sich in wichtigen Bankangelegenheiten nicht durchsetzen kann, in der Familie jedoch den Pascha spielt, trotz ihrer ganztägigen Berufstätigkeit Hilfeleistungen im Haushalt verweigert, und gleichzeitig zufrieden über ihr Einkommen im Beruf ist.
Ich bedaure sie und bin insgeheim wieder heilfroh darüber, eine zuverlässige Hilfe engagiert und damit Diskussionen über Hausarbeit, die ich seit meinen Jugendjahren notgedrungen und ohne Freude erledigte, beendet zu haben. Es wäre schön, auch in Zukunft ohne Gedanken an schmutzige Treppen, Fußböden und Fenster leben zu können, mich über Sonnenstrahlen einfach zu freuen, ohne überdeutlich Staub auf den Regalen zu sehen, und vielleicht endlich die schönen Seiten der Haushaltsführung zu genießen und endlich die duftenden Kuchen zu backen, die ich vor Jahren in meinem Küchengedicht als Belohnung für Richards und Robins Hilfe in Aussicht stellte.
An diesem Morgen weiß ich zum ersten Mal nichts Rechtes mit mir anzufangen. Das Haus ist wie immer an Wochenenden still, niemand geht zu oder kommt von Terminen. Ich beschließe eine Fahrt durch die Umgebung. Nach der Panne am Weihnachtsabend hatte ich mein Auto nicht in die Werkstatt gebracht, um die Ursache klären zu lassen, sondern machte weitere Ausfahrten. Jetzt leuchtet beim Anlassen des Motors wieder die Batterie-Ladekontrolle auf.
Plötzlich wird mir eine gewisse Symbolik klar: Die Batterie gab Strom ab und wurde nicht wieder ausreichend aufgeladen - ich vebrauchte Energien, ohne genügend neue Kraft schöpfen zu können. Anstatt rechtzeitig die Ursachen zu beheben, wartete ich, bis alle Reserven verbraucht waren... Es scheint mir interessant, künftig auf äußere Zeichen des Befindens von Menschen zu achten. Ich lasse den Wagen stehen und mache einen Spaziergang.




