Burnouts - Die Mackenburg

... doch Vorsicht - dieser Roman kann das Bewußtsein verändern !

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Burnouts - Die Mackenburg Kapitelübersicht 62. Kapitel NICHT DER RICHTIGE ZEITPUNKT

62. Kapitel NICHT DER RICHTIGE ZEITPUNKT

   Meine Tischgenossen haben bereits gegessen, unterhalten sich noch. Vinzenz erzählt, dass seine Stationsärztin bereits von dem Vorfall mit dem Verwaltungsleiter gewusst und ihm scherzhaft Verlängerung seiner Aufenthaltsdauer angedroht habe.

   Erich neben mir scheint keine Probleme mit übergroßen Gefühlswallungen, Fixierungen auf Gedankengänge oder Versteinerung von Gefühlen zu haben, ist dagegen sehr an Sport interessiert: "Aber ständig ist jemand dabei, dem irgendwas wehtut. Das hält den ganzen Laden auf!"

   Er hat uns anderen den Grund seines Aufenthaltes nicht erklärt, wäre lieber in einer der üblichen Kurkliniken, will aber weiter bei allen Verordnungen mitmachen: "Vielleicht lernt man ja doch etwas."

   Erich fragt Joachim nach einem Ausflugsziel im Nachbarland Polen. "Fährst du nochmal dorthin?"

   "Wollen wir gleich heute fahren?"

   Die Oberhessin erkundigt sich interessiert, wohin die Fahrt geht, würde sich gerne ebenfalls anschließen. Joachim lächelt höflich, fragt Erich gedehnt: "Das ist doch möglich, oder? Was meinst du?"

   Erich drückt sich vor einer Antwort: "Es ist nicht mein Auto."

   Joachim schlägt einen Zeitpunkt zur gemeinsamen Abfahrt vor.

   Im Zimmer führe ich mein Tagebuch weiter, versuche, möglichst viele der heute vom Stationsarzt gestellten Fragen und meine Antworten aufzuschreiben, um Fragesinn und Aussage weiter zu überdenken oder mein Unterbewusstsein daran arbeiten zu lassen.

   Dann klingelt mein Telefon. Es ist Richard, und im ersten Moment durchzuckt mich ein Schreck wegen der ungewöhnlichen Zeit seines Anrufes. Sofort schießen mir Bilder durch den Kopf - ist etwas mit Robin? Oder mit den Eltern? Besorgte Gedanken als belastende Nachwirkungen der vergangenen Jahre, in denen allzu oft ein Anruf ein neues Problem bedeutete...

   "Regine! Endlich erreiche ich dich! Ich habe sogar schon in der Schützenstube im Ort angerufen, weil ich dachte, du trinkst dort vielleicht einen Kaffee - Heute morgen hat eine Dame von der "Glücksrad'-Produktion angerufen: Sie will dich zu einer Aufzeichnung einladen! Am nächsten Donnerstag! Ich habe ihre Nummer notiert und gesagt, du rufst schnellstmöglich zurück!"

   Im ersten Moment mache ich einen gedanklichen Luftsprung, freue mich, nach meiner Bewerbung so schnell ausgewählt worden zu sein. Aber... "Richard, ich kann nicht dorthin fahren... Mein Kopf funktioniert nicht, wie er soll, und ich würde es auch hier nicht erklären können... Ich darf mich nicht ablenken lassen. Ich muss während der Zeit hier zu klaren Entschlüssen finden... Die Klinik ist im Moment wichtiger für mich."

   "Überlege es dir und sage der Dame Bescheid!"

   Es gibt nichts zu überlegen. Ich rufe die Mitarbeiterin der Produktionsfirma an, erkläre ihr die Situation. Sie ermuntert mich trotzdem: "Es sind doch nur zwei Stunden Autofahrt. Sie könnten nach dem Frühstück losfahren und vor dem Abendessen wieder zurück sein. Die Klinik gibt Ihnen sicher einen Tag frei."

   "Nein. Sosehr ich mich über Ihren Anruf freue - Es ist nicht der richtige Zeitpunkt. Ich komme nicht. Leider... Vielleicht können Sie mich zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal einladen?"

   „Ja, das geht! Sagen Sie mir einfach Bescheid, wenn Sie sich wieder erholt haben! Gute Besserung!"

   Ich mache mich auf zu einem Spaziergang. Bei der Rückkehr begegnen mir auf der Treppe einträchtig Vinzenz und Corinna, mit weißen Saunatüchern unter den Armen - ein Bild der Harmonie. Sie sehen mich etwas unsicher an, warten ab, wie ich reagieren werde. Ich lächle, sie lächeln zurück.

   Am Abend ist Vinzenz wie immer der Erste am Tisch, den er seit einigen Tagen stets auch wieder als Erster verlässt. Er erzählt, dass er mit Corinna saunieren war, in den letzten Tagen sehr viele schöne Spaziergänge mit ihr gemacht hat und dies sehr genossen habe, obwohl er sonst nicht gerne Spazieren gehe: "Weißt du, man kann sich mit ihr sehr gut unterhalten! - Und rate mal, wer meine Neujahrskarte jetzt hat: Corinna!"

   Verblüfft frage ich: "Wie hast du das denn organisiert?"

   "Ganz einfach: Ich habe der Patientin, die sie ursprünglich bekam, gesagt, dass ich die Karte gerne wiederhaben möchte!"

   Meine gelegentlichen gemeinsamen Unternehmungen mit ihm haben damit wohl ihr Ende gefunden. Ich frozzele ihn: "Hoffentlich bekommst du zu Hause keinen Ärger mit deiner Frau. Kann es sein, dass du trotz deiner vielen gegenteiligen Beteuerungen während der letzten Wochen jetzt doch die angebotene Verlängerung annimmst? Das möchte deine Ärztin ohnehin schon die ganze Zeit!"

   Vinzenz sagt ehrlich: "Wenn ich jetzt noch einmal das Angebot bekäme, würde ich es annehmen! Aber ich selbst frage nicht - schließlich habe ich bereits gesagt, dass ich heimfahre!"

   Dann kommt er wieder auf den Vorfall mit dem Verwaltungschef zu sprechen, nennt es selbst "seinen Auftritt". Er bereut sein Verhalten, glaubt, dass er seine Wünsche einseitig in den Vordergrund gestellt hat. Ich frage ihn, ob ich ganz offen über meinen Eindruck sprechen kann, und er ermuntert mich dazu.

   "Ich kann keine Veränderung in deinem Verhalten zwischen den ersten und letzten Tagen erkennen. Du wirst nach Hause fahren, ein neues Hobby oder vielleicht mehr als das entdeckt haben, das Zeichnen, und du wirst der Überzeugung sein, dass dein Verhalten völlig in Ordnung ist."

   Er schüttelt den Kopf: "Nein, es war ein Glück, dass es gerade jetzt noch einmal zu einem solchen Vorfall kam, der mir meine Schwäche wieder bewusst gemacht hat - aber da standen so viele Leute vor der Tür, alle waren ärgerlich, und ich dachte wieder einmal, dass ich derjenige sei, der den Mund aufmachen müsste...

   Es wird wieder passieren, ich bin sicher, aber ich muss darauf achten, wie es sich anbahnt!"

   Erich liest den Veranstaltungskalender der beiden Kliniken im Ort vor, ein sehr abwechslungsreiches Angebot: Klavierkonzert, Aquarellausstellung, Kabarett, Volksmusik und anderes. Er und Joachim sprechen davon, eine der Veranstaltungen am kommenden Sonntag in der Nachbarklinik zu besuchen: "Es ist ein sehr schönes Haus!"

   Wieder würde ich mich gerne den beiden anschließen, scheue aber meine Gefühle beim Zusammentreffen mit den dort in Behandlung befindlichen körperbehinderten Patienten und erkläre es den Anderen.

   Joachim sagt vorsichtig: "Wenn du im Umgang mit den Patienten dort gehemmt bist, hast du ein Problem. Jetzt und hier wäre eine gute Gelegenheit, herauszufinden, weshalb das so ist. Du solltest gerade deshalb die Nähe dieser Menschen suchen, mit ihnen sprechen, damit du unverkrampft sein kannst! Sie haben es zum Teil sehr schwer... Körperliche Behinderungen ziehen meist seelische Konflikte nach sich!"

   Ich denke an Richards schweren Motorradunfall - "Ich muss erst mein dringendstes Problem regeln, bevor ich mich mit weiteren auseinandersetze... Gute Nacht!"

   "Gute Nacht!"

 

 

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Frühere Veröffentlichung:

Goodbye, Robin

ENGLISCHE ÜBERSETZUNG
als KAPITEL-SERIE



Referenzen und Lesungen siehe Autorenhomepage www.ilse-koempel.de


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