Burnouts - Die Mackenburg

... doch Vorsicht - dieser Roman kann das Bewußtsein verändern !

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Burnouts - Die Mackenburg Kapitelübersicht 61. Kapitel GEBEN SIE SICH MIT 50 % ZUFRIEDEN!

61. Kapitel GEBEN SIE SICH MIT 50 % ZUFRIEDEN!

   Zu Beginn der Gruppenstunde frage ich den Stationsarzt, ob es bei unserem anschließend geplanten Gesprächstermin bleibe. Er sagt bedauernd: "Den müssen wir leider bis nach dem Wochenende verschieben. Passt Ihnen Montag?"

   Ich bin enttäuscht und immer noch deprimiert über mein neues Wissen, wie stumpf meine Gedanken trotz einiger Fortschritte in Wirklichkeit sind.

   "... Oder haben Sie ein aktuelles Problem?"

   "Ich muss unbedingt wissen, wie die Erholungsphase aus dem Burn-Out erfahrungsgemäß verläuft, in welchem Zeitraum. Mir wird immer klarer, dass ich noch einige Zeit brauchen werde, um mich gesund zu fühlen. Ich habe mich jetzt fest zur Kündigung meines Arbeitsplatzes entschlossen, obwohl Sie mir dringend davon abraten. Ich werde mich nicht noch einmal bis zum Umfallen abrackern!"

   Er geht nicht auf meine Frage zum Erholungsverlauf ein: "Sie sind bereits wieder spürbar aufgebracht. Wollen Sie diesen Ärger nach Ihrem Ausscheiden aus dem Betrieb in sich behalten?"

   "Ich werde kein Blatt vor den Mund nehmen und mir meine Wut und Enttäuschung von der Seele reden!"

   Er schüttelt den Kopf: "Auf diese Weise werden Sie diese negativen Gefühle als Ballast behalten."

Ich werde jetzt ärgerlich über sein Taktieren: "Dies ist der einzige mir bekannte Weg. Einen anderen Weg kann ich allein nicht finden. Falls es ihn gibt, erwarte ich von Ihnen entsprechende Ratschläge!"

   Er wendet sich an die übrige Runde: "Wie ist es mit Ihnen? Kennt jemand ähnliche Gefühle?"

Schweigen.

   Ich frage den Speditionskaufmann: "Werden Sie in die gleiche Situation zurückkehren? Ist Ihnen jetzt schon klar, wie Sie sich verhalten werden?"

   Er sagt leise, für ihn sei alles klar. Er habe einen Anwalt eingeschaltet, und ich sage: „Das Gleiche habe ich auch vor."

   Der Stationsarzt scheint sehr an der Berechtigung meiner Wut zu zweifeln, bittet um konkrete Beispiele für meine Begründung, dass ich jahrelang überlastet wurde und mit sich widersprechenden Vorgaben zu kämpfen hatte, oft nur entweder die eine oder die andere erfüllen konnte und für die nicht beachtete Vorgabe unausweichlich kritisiert wurde.

   Er fragt: „Ist Ihnen mit Kündigung gedroht worden?"

   "Mir ist gedroht worden, dass ich austauschbar sei und die Konsequenzen zu spüren bekommen würde - und im gleichen Atemzug wurde mir beteuert, wie wichtig ich für das Unternehmen sei. Das hat mich dann wieder festgehalten, wenn ich selbst an Kündigung dachte."

Er fragt noch längere Zeit nach den Randbedingungen meiner Arbeit, weshalb ich glaubte, nicht alles erledigen zu können.

   "Mein Arbeitsgebiet ist zu groß für mein Leistungsvermögen, und ich kann den ganzen Tag über nicht mal für eine halbe Stunde konzentriert an einer Sache bleiben. An manchen Tagen musste ich mich innerhalb von Minuten in ständig andere Themen eindenken... In den letzten Monaten fiel mir das unglaublich schwer - manchmal hatte ich das Gefühl, als würden sich in meinem Gehirn eingerostete Eisenbahnweichen nur mit allergrößter Kraft bewegen lassen."

   "Weshalb haben Sie kein Schild an die Tür gehängt: Bitte nicht stören?"

   "Das habe ich einmal gemacht. Mein Vorgesetzter hat es im Vorbeigehen abgenommen es mir später auf den Schreibtisch gelegt."

   "Sie könnten aber doch zumindest das Telefon abhängen oder per Aushang über Telefonzeiten informieren."

   "Es gab früher einmal eine allgemeine Telefonzeitenregelung, an die sich niemand gehalten hat. Außerdem bin ich über Funkruf jederzeit zu erreichen."

   "Haben Sie jemals versucht, ihm die von Ihnen empfundene Überlastung deutlich zu machen? Haben Sie Aufzeichnungen gemacht, mit welchen Arbeiten Ihr Tag ausgefüllt ist?"

   „Ja, nicht nur das! Ich habe einige Wochen lang Tagespläne gemacht, die ungeplanten Abweichungen und die dadurch liegengebliebenen Arbeiten notiert, und die Listen an meinen Vorgesetzten weitergegeben. Er hatte sie während unserer Besprechungen dann auf dem Schreibtisch liegen, aber ein Gespräch darüber wurde immer wieder verschoben."

   Ich beantworte alle seine Fragen, stelle fest, dass ich bereits alles unternommen habe, was er mir durch seine Fragestellung raten will. Dann sage ich: „Ich weiß heute genau, was ich falsch gemacht habe: Ich war zu schwach, um deutliche Grenzen zu ziehen oder mich nach einer anderen

Beschäftigung umzusehen. Ich weigere mich jedoch entschieden, alle Konsequenzen daraus allein zu tragen! Ich will einen Ausgleich, und ich werde ihn bekommen!"

   Ich höre meine erhobene wütende Stimme, spüre meine Halsschlagader heftig schlagen, Enge im Brustraum. Ich schade mir durch diese Erregung, kann aber meine Wut nicht kontrollieren.

   "Sie wirken wieder sehr aufgebracht."

   "Ich habe berechtigten Zorn - aber ich will mit meinen Gefühlen besser umgehen können!"

   "Erkennen Sie Ihr Verhalten?"

"Ich kann mich nicht länger beherrschen! Ich habe mich viel zu lange zusammengenommen, anstatt meinen Ärger so laut herauszuschreien, dass ich verstanden werde!"

   "Sie sind ein Idealist. Sie wollen alles optimal regeln. Geben Sie sich mit 50 Prozent Erfolg zufrieden."

   "Weshalb sollte ich das tun? Man gibt sich bei mir auch nicht mit 50 Prozent zufrieden!"

   "Erkennen Sie Ihr Verhalten?"

"Erklären Sie es mir!"

   "Ich kann nur wiederholen: Sie müssen Ihren Weg selbst finden. Sie würden sich sonst therapeutenabhängig machen und keine eigenen Entscheidungen treffen können."

   "Ich gehe den Weg, der mir möglich ist. Und ich kann nur wiederholen: Ich bin Ihre Patientin und Sie mein Therapeut - SIE müssen mir andere Wege aufzeigen!"

Er überlässt mich meinen Gefühlen und führt in der restlichen Zeit Gespräche mit anderen Patienten. In mir kocht es weiter. Er entzieht sich mir, schürt meine aggressive Stimmung, statt mir wie die Ärztin zu Hause praktische Ratschläge zu geben.

   Heute habe überwiegend ich geredet. Das leise Bedauern für den größeren und nicht von diesem Problem betroffenen Gruppenanteil schiebe ich sofort weg. Auch ich habe wochenlang geduldig anderen zugehört und manche Erkenntnis für mich daraus ziehen können. Auch für die nach mir Gekommenen wird es im Lauf der Wochen Gelegenheit geben, sich nach manchmal wochenlangen Phasen der Zurückhaltung selbst irgendwann zum Thema des Gruppengespräches zu machen, sich selbst endlich wichtig genug zu sein.

   Die Gruppe löst sich auf und wir gehen in Richtung unserer Zimmer. Ich bin immer noch empört, fühle meine Argumente vom Stationsarzt angezweifelt. Meine Klinikpatin sagt beruhigend: „Der Arzt meint es gut mit Ihnen! Er will Ihnen helfen!"

   "Dann soll er nicht versuchen, mich von meinem Entschluss abbringen, sondern mit helfen, mit meinen Aggressionen besser umzugehen. Ich werde mich so lange weigern, von hier abzufahren, bis ich mich stark und ausgeglichen genug fühle, dieses verdammte Arbeitsverhältnis so aufzulösen, wie es meinem Gefühl von Gerechtigkeit entspricht!"

   Die anderen sehen mich mitfühlend und gleichzeitig skeptisch an.

   Corinna, die Schüchterne, sagt jetzt unruhig: "Mein Mann hat einen Brief angekündigt, der heute ankommen soll. Er versteht meine berufliche Überlastung nicht - er schimpft sogar noch mit mir, wenn meine Chefin verlangt, dass ich länger bleibe und ich dadurch später nach Hause komme."

   Elvira, ein weiteres neues Gruppenmitglied, rät ihr: "Ihr Mann ist wichtig! Wenn Sie weiter so viel arbeiten, verlässt er Sie vielleicht. Dann sind Sie allein und können unbegrenzt Überstunden machen. Ihre Chefin freut sich bestimmt!"

   "Meine Chefin freut sich immer, wenn das Personal allerhöchsten Einsatz bringt. Sobald eine Schwäche bemerkbar wird, sind die Betreffenden sehr schnell entlassen..."

   Elvira erzählt, dass sie und ihr Mann sich nach der Wende in Weimar mit einem kleinen Geschenklädchen selbständig gemacht haben: "Es war Einsatz unserer sämtlichen Mittel, und mittlerweile läuft es so gut, dass wir außer dem kleinen Laden jetzt noch einen zweiten, größeren eröffnen werden!"

   Während sie spricht, verändern sich ihre Züge. Sie wirkt entspannt, nicht mehr so stark von den Nachwirkungen einer Kopfoperation gepeinigt wie bei ihrem Eintreffen. Wir bemerken gerade noch, dass die Essenszeit bereits dem Ende zugeht, und sputen uns, um noch rechtzeitig im Speisesaal anzukommen.

 

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Frühere Veröffentlichung:

Goodbye, Robin

ENGLISCHE ÜBERSETZUNG
als KAPITEL-SERIE



Referenzen und Lesungen siehe Autorenhomepage www.ilse-koempel.de


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