Burnouts - Die Mackenburg

... doch Vorsicht - dieser Roman kann das Bewußtsein verändern !

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Burnouts - Die Mackenburg Kapitelübersicht 54. Kapitel JUGENDSÜNDEN

54. Kapitel JUGENDSÜNDEN

   An einem der nächsten Tage erzählt Vinzenz bei Tisch von seiner Absicht, in Dresden in einem Haus für Künstlerbedarf Aquarellpinsel einzukaufen: "Ich möchte meine eigenen Malutensilien besitzen und auch später zu Hause malen. Außerdem wollte ich schon lange einmal Dresden besichtigen. Kommst Du mit?"

   Spontan sage ich Ja, und nach dem Einkauf entschließen wir uns zu einer Stadtrundfahrt mit einem der zahlreichen Touristik-Busse. Die Fremdenführerin erklärt in immer wieder schwach durchklingender liebenswürdigen Dresdner Mundart die überaus zahlreichen Sehenswürdigkeiten. Während der Fahrt entlang der Elbe-Auen bis Schloss Pilnitz betrachte ich sehnsüchtig die herrlichen Villen, träume davon, eine Zeitlang in einer davon zu leben, auf den Fluss zu schauen, zu schreiben.

   Nach der Rundfahrt besuchen wir das Italienische Dörfchen bei der Oper, trinken Kaffee, essen Dresdner Schecke, sprechen erst über das Gesehene und dann über unsere Beziehungen zu den Ehepartnern, die im Lauf der Jahre verlorengegangene Kommunikation.

   Ich erzähle Vinzenz von der beharrlichen Weigerung meines Mannes, mein Buchmanuskript über die Entwicklungen innerhalb unserer Familie zu lesen - trotz seiner offensichtlichen Unterstützung meiner Pläne zur Veröffentlichung. Vinzenz gibt zu bedenken: "Vielleicht tut es ihm weh, und er möchte einen Strich unter die Vergangenheit ziehen?"

   "Aber was ist mit mir? In der Klinik wird uns ständig verdeutlicht, eigene Bedürfnisse zu erfüllen, mehr an sich selbst zu denken statt an andere. Ich habe durch die Arbeit am Manuskript viele auch für mich sehr unangenehme Erkenntnisse gewonnen. Ist es deshalb nicht mehr als normal, wenn ich ihn ebenfalls bitte, sich mit unserer gemeinsamen Vergangenheit auseinanderzusetzen?"

   "Denke doch einfach an deine Jugendsünden, sofern du welche begangen hast. Wäre es DIR recht, sie wieder und wieder aufs Brot geschmiert zu bekommen?"

   Irgendetwas stimmt an diesem Vergleich nicht... Geschieht es denn nicht gerade mit mir, dass ich mich meiner "Jugendsünden" nicht mehr länger schäme, sondern beginne, die Gründe für früheres Verhalten zu erkennen? Dass ich mich nicht länger als einen schwierigen Teenager sehe, der seinen Eltern Probleme bereitet hat, sondern der umgekehrt durch das Verhalten der Eltern große Probleme zu bewältigen hatte? „Richard muss unser Buch lesen - und wenn ich jede Seite eigenhändig für ihn umblättere!"

   Nach dem Frühstück am nächsten Morgen bleiben Joachim und ich länger als die anderen bei einer weiteren Tasse Kaffee am Frühstückstisch sitzen, haben beide erst um Neun Kliniktermine. Joachim erzählt, dass er sich bei seiner Arbeit in einer geschlossenen psychiatrischen Abteilung manchmal so eingesperrt fühle, als sei er selbst Patient.

   Er wird voraussichtlich nicht in den Beruf zurückkehren, fühlt nach so langer Pflegertätigkeit psychisch nicht mehr in der Lage, mit den Patienten umzugehen, hat zwei Hörstürze innerhalb von zwei Jahren erlitten und wird von Tinitus-Geräuschen gequält. Ein entsprechendes Telefonat zwischen seiner Stationsärztin und seinem Hausarzt fand bereits statt. Übereinstimmender Vorschlag: Joachim soll verrentet werden. Erwerbsunfähigkeit.

   Joachim hat die ihm angebotene Verlängerung seiner Aufenthaltszeit inzwischen nach längerem Zögern angenommen, will die therapeutischen Chancen zur Verbesserung seines Befindens nutzen.

   Mittwoch: Gemeinsame Gruppenstunde beider Stationen, wie immer an diesem Wochentag auch in Anwesenheit des zuständigen Oberarztes. Zwei Patientinnen reisen in den nächsten Tagen ab, werden vom Oberarzt mit allen guten Wünschen verabschiedet und noch einmal nach ihrem Befinden gefragt.

   Eine der Beiden ist Tina. Sie erzählt strahlend, dass es ihr aus ihr selbst nicht bekannten Gründen seit den Proben und der Aufführung des Krippenspieles sehr viel besser gehe, sie jetzt nicht mehr weinen müsse, sobald sie über sich selbst spricht. Sie freue sich auf zu Hause, ihre Eltern, ihren Hund, die Freunde. Zu meiner Überraschung spricht sie auch davon, einigen Menschen nicht wie früher Grußkarten zu den Feiertagen geschickt zu haben: "Die Kontakte waren so einseitig. Ich habe mich immer verpflichtet gefühlt, sie aufrechtzuerhalten. Das brauche ich jetzt nicht mehr!"

 

 

Abhängigkeiten  Aggressionsstörung  Arbeitslosigkeit  Depression  depressive Verstimmung  Erschöpfung  Gedankenkarussell geistige Prostitution  Helfersyndrom  Leistungsdruck  Konzentrationsstörung  psychosomatische Erkrankung  Essstörung  Rückzug  Schlafstörungen  Selbstmord  Angst  Selbstmordgefährdung  Selbstverletzung  sexueller Mißbrauch  Suchtgefährdung  Trauer  Überforderung  Überlastung  Verhaltensstörung  Verlust  Zwänge

Frühere Veröffentlichung:

Goodbye, Robin

ENGLISCHE ÜBERSETZUNG
als KAPITEL-SERIE



Referenzen und Lesungen siehe Autorenhomepage www.ilse-koempel.de


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