Während eines Gespräches mit Heiko auf dem Gang vor einigen Tagen zeigte er Begeisterung für ein von mir getragenes T-Shirt mit aufgedrucktem Garfield-Motiv. Der fette Kater Garfield glücklich lächelnd auf einer Wolke zusammengerollt. Das Hemd ist alt, oft getragen und entsprechend verwaschen. "Ich wollte auch schon immer ein solches Hemd - aber hier im Osten gabs die nicht zu kaufen..."
Ich widerstehe meinem starken Impuls, es ihm zu schenken, hänge selbst sehr daran. Abends male ich mit Wasserfarben das Motiv ab und lege es ihm vor die Tür. Am nächsten Morgen treffe ich ihn auf dem Weg zum Frühstück. Er lächelt mich an: "Ich habe mich über das Bild sehr gefreut. Es hängt jetzt an meiner Pinnwand! Ich muss lächeln, wenn ich es ansehe!"
"Ich habe ein schönes Geschenk für dich! Zu Hause! Ich rufe Richard an, er soll es mir morgen gleich schicken!"
Das Paket trifft bereits am übernächsten Tag ein: ein großer Garfield aus schwarzgestreiftem orangefarbenem Plüsch, auf den Hinterfüßen stehend. Er trägt rote Boxershorts und kleine rote Boxhandschuhe aus Leder an den kampflustig erhobenen Vorderpfoten, ein Zähne zeigendes breites zahnlückiges Grinsen auf dem Gesicht.
Ich gehe sofort hinüber zu Heiko, gebe ihm die Figur: "Siehst du, wie stark und stolz er trotz seiner Zahnlücke aussieht? Ich schenke ihn dir. Wenn es dir wieder schlechtgeht, sieh ihn dir an. Vielleicht kannst du dann auch deine Boxhandschuhe anziehen!"
Er lächelt mich kläglich und doch irgendwie glücklich an, bedankt sich leise.
Ich beruhige mein schlechtes Gewissen über das Verschenken der Figur, ein Mitbringsel meines Sohnes von einer früheren Australienreise.
Abends bringt Heiko mir ein ausgeliehenes Buch zurück: "Komm doch bitte mal mit in mein Zimmer, ich möchte dir etwas zeigen!" Ich gehe bereitwillig mit. Er deutet auf Garfield, der auf seinem penibel gemachtem Bett thront: "Er ist immer neben mir, wenn ich im Zimmer bin. Wenn ich ins Bett gehe, liegt er bei mir, wenn ich mich an den Tisch setze, sitzt er auf dem Stuhl neben mir. Ich bin sehr froh, dass ich ihn habe!"
"Darf ich ein Foto von euch Beiden machen? Ich möchte es an meinen Sohn schicken. Er wird verstehen, dass dieser Kater bei dir gut aufgehoben ist!"
Heiko setzt sich bereitwillig in einen Sessel, hält den Stoffkater in Richtung Kamera und versucht, ein Lächeln auf sein gequältes Gesicht zu legen.




