Am nächsten Morgen nimmt Maria zum letzten Mal an der Gesprächstherapie unserer Station teil. Sie ist deprimiert, reist in eine unbefriedigende häusliche Situation ab: Ihr Sohn ist nach langjährigem Drogenkonsum arbeitsunfähig; sie selbst fühlt sich ebenfalls nicht in der Lage, zu arbeiten. Konflikte mit dem Ehemann, Streit über das Verhalten des Sohnes, der noch unter ihrem Dach lebt und sich von den Eltern ernähren lässt.
"Der Junge kommt doch allein nicht zurecht... Es gibt ständig Streit zwischen ihm und meinem Mann... Ich muss zu Weihnachten zu Hause sein und zwischen den beiden vermitteln, sonst gibt es ein Unglück..."
Der Stationsarzt spricht deutliche Worte: "Ihr Verhalten führt zu einer Verschlimmerung der Krankheit Ihres Sohnes! Sie müssen loslassen, ihn seinen eigenen Weg gehen lassen. Er muss sich für sich selbst verantwortlich fühlen!"
Sie fühlt sich kritisiert und vor ihrer Abreise noch mit einer schweren Last beladen.
Der Stationsarzt lächelt: "Manchen Patienten muss man es überdeutlich sagen und sogar hinterherrufen, wenn sie vorzeitig abreisen!"
Maria weint, sagt leise: "Ich habe resigniert. Ich habe nicht mehr die Hoffnung, diese verfahrene Situation ändern zu können..."
Der Stationsarzt fragt die Traurige nach ihrer Meinung zu dem Gesagten.
"Ich fühle mich ganz furchtbar. Wie ihr Sohn für Maria, so bin ich für meinen Sohn eine Last!"
Sie wirkt jedoch bemerkenswert aktiver als noch vor einigen Tagen, geht mittlerweile abends im Dunkeln allein zum Bahnhof und zurück, wie vom Stationsarzt beauftragt, um sich auf die von ihm in einem Einzelgespräch mittlerweile genehmigte Bahnfahrt nach Hause vorzubereiten. Als nächste vom Arzt gestellte Aufgabe soll sie allein mit dem Zug fahren. Vorerst nur eine Station, und mit dem nächsten Zug zurück.




