Burnouts - Die Mackenburg

... doch Vorsicht - dieser Roman kann das Bewußtsein verändern !

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32. Kapitel ZWEIFEL

   Thema der Gesprächsgruppe wie bekannt: Die "Großmutter", die eine der beiden Frauen, die zwei Tage Weihnachtsurlaub beantragt haben, unternimmt einen erneuten Versuch: "Am ersten Tag wird meine Mutter 84, und am zweiten Tag wird das Baby zum ersten Mal die Lichter am Weihnachtsbaum sehen. Ich möchte es so gerne miterleben..."

   Der Stationsarzt: "Das Kind wird sich noch oft über Neues freuen. Weshalb sind Sie so unfreundlich zu sich selbst und setzen sich dieser für Sie sicher sehr schwierigen Situation aus - die Einholung der Genehmigung, das Warten in der Kälte auf den Bahnsteigen? Weshalb kommt ihr Sohn nicht einfach mit seiner Familie hier in der Klinik vorbei? Es ist doch keine weite Fahrtstrecke?"

   "Sie sind doch nur auf der Durchreise bei meinen Eltern. Ich möchte das Baby so gerne sehen, solange es noch so klein ist... Das Warten auf den Bahnsteigen nehme ich dafür gerne in Kauf... Die einzige Schwierigkeit ist die Genehmigung der Klinik."

   Ihre Lippen beben, ihre Hände beschäftigen sich übernervös mit einem Taschentuch. Ich bedaure sie sehr. Weshalb setzt sie sich nicht durch, sagt, dass sie unter allen Umständen fahren wird? Wenn ihr Sohn andere Pläne hat, so ist dies doch sein gutes Recht. Die Patientin möchte das Baby unbedingt sehen, warum soll sie dafür keine Bahnreise auf sich nehmen?

   Der Stationsarzt wendet sich der Traurigen zu, fragt, ob sie es sich in der Zwischenzeit überlegt habe und nun doch in der Klinik bleiben wolle. Sie wirkt leicht ärgerlich, sagt, dass ihr diese Diskussion in der Gruppe allmählich zuwider ist: "...Ich möchte Sie allein sprechen!"

   Er lächelt: "Wenn Sie also etwas nachdrücklich wollen, setzen Sie sich auch dafür ein?"

   "Ja, ich hatte vor, nachher so lange vor Ihrem Büro zu warten, bis sich Gelegenheit zu einem Gespräch unter vier Augen ergibt!"

   Der Stationsarzt macht ein zufriedenes Gesicht und nennt ihr einen Gesprächstermin für den Nachmittag. Ich bin verwirrt, verstehe dieses lange Hinhalten nicht. Sie ist bereits zweieinhalb Monate hier. Weshalb muss sie ihre schwachen Energien für die Genehmigung von Urlaub aufwenden, statt sich schon längst auf die bevorstehenden Feiertage zu freuen? Weshalb bereitet er sie nicht auf die Situation vor, wenn sie mit der Familie ihres Sohnes Zusammensein wird, alle in Erinnerung an die Verstorbenen?

   Die Unsicherheit, die ich nach dem vorausgegangenen Gespräch mit Stations- und Oberarzt verspüre, klingt noch immer in mir nach. Ich kapsele mich ab, gehe in Abwehrstellung. Die Therapiemethode dieses Arztes erscheint mir gefühllos und undurchsichtig im Vergleich zur Gesprächsführung meiner lokalen Ärztin.

 

 

Abhängigkeiten  Aggressionsstörung  Arbeitslosigkeit  Depression  depressive Verstimmung  Erschöpfung  Gedankenkarussell geistige Prostitution  Helfersyndrom  Leistungsdruck  Konzentrationsstörung  psychosomatische Erkrankung  Essstörung  Rückzug  Schlafstörungen  Selbstmord  Angst  Selbstmordgefährdung  Selbstverletzung  sexueller Mißbrauch  Suchtgefährdung  Trauer  Überforderung  Überlastung  Verhaltensstörung  Verlust  Zwänge

Frühere Veröffentlichung:

Goodbye, Robin

ENGLISCHE ÜBERSETZUNG
als KAPITEL-SERIE



Referenzen und Lesungen siehe Autorenhomepage www.ilse-koempel.de


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