Burnouts - Die Mackenburg

... doch Vorsicht - dieser Roman kann das Bewußtsein verändern !

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29. Kapitel FAMILIEN

   Während des Mittagessens ist Ellen fröhlich, strahlt, lacht mit weit geöffnetem Mund und lockeren Lippen. Sie hat erfreuliche Post bekommen, zeigt sie am ganzen Tisch herum: Einen Brief ihrer jüngsten Tochter, Bilder der jungen Familie mit Ellens niedlicher kleiner Enkeltochter. "Ich bin so froh über diesen Brief! Sie hat so lieb geschrieben!"

   Ich freue mich für sie, diese positive Unterbrechung der sie belastenden Briefe und Anrufe ihrer Mutter und jetzt auch ihres Lebensgefährten, die sie massiv zur schnellen Rückkehr auffordern. "Regine - stell' dir vor: Jetzt hat auch noch eine meiner Schwestern angerufen und gefordert, ich soll auch ihr nach meiner Rückkehr im Haushalt helfen! Ich soll für alle da sein - für meine Mutter, für meinen Lebensgefährten und seinen alkoholkranken Sohn, für meine schon fast 100jährige Lieblingstante, und jetzt auch noch für meine Schwester! Weshalb versteht keiner, dass ich am Ende bin? Ich kann nicht mehr! Ich habe anschließend mein Telefon sperren lassen und werde Briefe meiner Familie mit Ausnahme meiner Töchter nicht öffnen, solange ich noch hier bin. Und ich werde noch lange hier sein. Ich werde um eine weitere Verlängerung bitten, sobald mein Stationsarzt vom Urlaub zurück ist!"

   Sie zerknüllt nervös ihre Serviette. "Und an allen Ecken fehlt durch meine Frühinvalidität Geld! Jetzt ist mir auch noch die Wohnung gekündigt worden! Nachdem das Haus über ein Jahr lang saniert wurde und die Bewohner mit dem Lärm und dem Schmutz leben mussten, soll es in Eigentumswohnungen umgewandelt werden! Ich bleibe hier in der Klinik, solange ich kann! Ich will wieder gesund werden und arbeiten!"

   Vinzenz kommt erst spät zum Essen. Ich erschrecke bei seinem Aussehen. Im Gegensatz zu seinem sonst sehr frischen Teint wirkt sein Gesicht jetzt grau, die Augen bewölkt und stumpf, Ich frage ihn nach dem Grund.

   "Bei meiner Ankunft schwankte ich noch, ob ich über die Weihnachtsfeiertage nach Hause zu meiner Familie fahre, und wollte es mir noch in Ruhe überlegen. Nachdem ich jetzt gesehen habe, wie die beiden Patientinnen hingehalten werden, die schon seit Tagen auf Erlaubnis warten, habe ich mich jetzt fest entschlossen, zu fahren, auch wenn meine Stationsärztin dies nicht genehmigen sollte!"

   Nach dem Essen treffe ich ihn noch einmal im jetzt leeren Wohnzimmer, werde im Vorbeigehen durch leise Musik angelockt, die durch den Spalt der leicht geöffneten Tür klingt. Vinzenz ist erfreut über Gesellschaft: "Ich habe die Musik bewusst eingeschaltet und die Tür aufgemacht, damit jemand hereinkommt und sich mit mir unterhält. Ich habe am Nachmittag mit meinem Neurologen zu Hause telefoniert und mittlerweile von ihm ein Fax über das Kliniksekretariat erhalten, dass es für mich und meine Familie sehr wichtig ist, die Feiertage gemeinsam zu verbringen. Ich habe das Fax an die Krankenkasse weitergegeben. Ich fahre nach Hause!"

   Ich gebe ihm zu bedenken, dass seine Rückkehr hierher wegen widersprüchlicher Therapieziele vielleicht abgelehnt würde.

   "Egal!"

   Dann sagt er leise, dass er doch sehr gerne wiederkommen und an seinem Verhalten arbeiten würde. Er habe sich in den letzten Tagen gefragt, ob er nicht seine Frau unterdrücke, sie sich ihm vielleicht allzu sehr anpassen muss: "Ich habe sie am Telefon gefragt, ob ich mich nach der Operation verändert habe."

   "Und was hat sie geantwortet?"

   "Eigentlich nicht, aber ich wäre weniger kompromissbereit als früher..."

   "Das war sehr diplomatisch von ihr."

 

 

Abhängigkeiten  Aggressionsstörung  Arbeitslosigkeit  Depression  depressive Verstimmung  Erschöpfung  Gedankenkarussell geistige Prostitution  Helfersyndrom  Leistungsdruck  Konzentrationsstörung  psychosomatische Erkrankung  Essstörung  Rückzug  Schlafstörungen  Selbstmord  Angst  Selbstmordgefährdung  Selbstverletzung  sexueller Mißbrauch  Suchtgefährdung  Trauer  Überforderung  Überlastung  Verhaltensstörung  Verlust  Zwänge

Frühere Veröffentlichung:

Goodbye, Robin

ENGLISCHE ÜBERSETZUNG
als KAPITEL-SERIE



Referenzen und Lesungen siehe Autorenhomepage www.ilse-koempel.de


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