Burnouts - Die Mackenburg

... doch Vorsicht - dieser Roman kann das Bewußtsein verändern !

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Burnouts - Die Mackenburg Kapitelübersicht 28. Kapitel THERAPEUTISCHE VEREINBARUNGEN

28. Kapitel THERAPEUTISCHE VEREINBARUNGEN

   Autogenes Training der Kerngruppe um 11 Uhr am nächsten Tag. Meine Klinikpatin entschuldigt sich beim Stationsarzt: Sie stehe kurz vor einem Krampfanfall, möchte zurück in ihr Zimmer. Er nickt freundlich.

   Heiko, der gestern so überrascht sein Erstaunen äußerte, mich in der Suchtgruppe zu sehen, ist nicht erschienen. Der Stationsarzt geht hinaus, kommt nach einer Weile zurück und kündigt auch Heikos baldiges Eintreffen an. Dieser kommt kurz darauf mit ernstem Gesicht herein, drückt sich mit hochgezogenen Füßen zusammengekauert in den dem Therapeuten am weitesten entfernten Sessel.

   Ich weiß von einer anderen Patientin, dass Heiko schmerzmittelabhängig ist, seine Arbeit als Schlosser nach einer Wirbelsäulenoperation nicht mehr ausüben kann. "Wollten Sie heute nicht kommen? Bedrückt Sie irgendetwas?"

   Er antwortet auf diese Frage des Stationsarztes mit sehr leiser Stimme und niedergeschlagenen Augen, dass es ihm nicht gutgehe, er die Einhaltung seines Versprechens nur bis Freitag garantieren könne. Der Stationsarzt scheint durch eine vorausgegangene mehrtägige Abwesenheit nicht auf dem Laufenden: "Welches Versprechen meinen Sie?"

   "Selbstmord. Dass ich mich nicht umbringe. Ich kann jetzt nur versprechen, es bis Freitag nicht zu tun."

   Wieder ein unvorbereiteter Schock. Ich höre gebannt zu. Ohne seine Stimme zu verändern, sagt der Stationsarzt: "Freitag ist bereits morgen. Wir müssen unbedingt darüber sprechen. Freitag ist ein sehr schwieriger Zeitpunkt, um die Dauer eines Versprechens zu beenden. Meine Arbeitswoche ist dann zu Ende. Ich möchte dann meine freie Zeit mit meiner Familie verbringen, ohne mir ständige Gedanken machen zu müssen."

   Während seiner Rede steigt Fassungslosigkeit über den unbeteiligten Tonfall und die deutlich Distanz herstellenden Worte in mir auf. Jetzt spricht der Stationsarzt davon, dass gerade dann, wenn Selbstmordgefährdete mit besonderer Aufmerksamkeit beobachtet werden, oft auch tatsächlich Selbstmorde verübt werden. Dass dies nicht verhindert werden kann, wenn ein Lebensmüder den festen Entschluss gefasst hat, sein Leben zu beenden.

   Heiko blickt mit gesenktem Gesicht vor sich hin, sagt nichts mehr, wirkt sehr genervt und rutscht unbehaglich mit immer noch hochgeschlagen Beinen immer tiefer in seinen Sessel. Die Erklärung des Arztes erweckt starke Zweifel in mir - ist Heikos Andeutung von Selbstmord nicht ein alarmierender Hilfeschrei nach besonderer Betreuung?

   Die Patientin mit den traurigen Augen, deren Seligkeit gestern von der Heimfahrt am Heiligabend abzuhängen schien, beschwert sich jetzt über einen Kontrollbesuch der Nachtschwester bei ihr, fand die Frage nach ihrem Befinden sehr plump. "Würden Sie sich denn etwas antun?" fragt sie der Stationsarzt.

   "Nein, dazu habe ich viel zu viel Angst. Ich will ja auch weiterleben. Ich weiß nur im Moment nicht, wie das gehen soll, wenn ich morgens nicht aus eigenem Willen aufstehen kann, nicht weiß, was ich anziehen oder essen soll - weshalb fragt mich die Schwester nicht morgens, wie es mir geht, wenn ich wirklich Hilfe gebrauchen könnte? Ich liege oft über eine Stunde lang bewegungslos im Bett, habe alles, was ich tun will, im Kopf, aber mein Wille reicht nicht, um aufzustehen und mich anzuziehen. Ich fühle mich wie gelähmt. Maria kommt jeden Morgen herüber und hilft mir... Aber was soll zu Hause werden? Ich lebe allein in meinem Haus weit außerhalb von Jena, die nächsten Nachbarn sind weit entfernt. Ich warte schon ewig auf einen Telefonanschluss, um wenigstens dadurch Kontakt mit anderen haben zu können. Mein Sohn wohnt in der Stadt und kann nicht jeden Tag kommen. Außerdem hat er seine eigene Familie."

   Einer der Patienten schlägt ihr vor, ein Funktelefon zu kaufen. Sie sieht ihn nur ausdrucklos an. Mein Gedanke ist, dass ein Hund ihr die Einsamkeit nehmen könnte, die Verantwortung für ein Tier sie sicher zu Hause dazu bringen würde, leichter aufzustehen und den Tag nicht als übergroße Last zu empfinden. Aus Hemmung, es könnte ein zu oberflächlicher Ratschlag für ihr Problem sein, schweige ich. Einer der Anderen spricht es aus: "Ein Hund wäre gut für Sie. Der bringt Sie schon aus dem Bett, wenn er lebhaft vor Ihnen steht, Sie mit der Schnauze anstupst und mit dem Schwanz wedelt, weil er mit Ihnen Spazierengehen möchte!"

   Sie wehrt ab. Nein, auf keinen Fall noch einen Hund - „Wir hatten eine Schäferhündin. Als sie vor drei Jahren eingeschläfert wurde, musste ich das Grab ausheben und die ersten Schaufeln Erde auf ihren Körper streuen. Dann erst konnte mein Mann das Grab weiter zuschaufeln. Und im Jahr darauf ist dann mein Mann gestorben..."

   Der Stationsarzt spricht wieder von Verlusten, welche die Patientin nicht verkraften kann und deshalb unbedingt meiden will: "Erst wenn ihre Stimmung nicht mehr bei jeder Erwähnung von Verstorbenen, seien es liebe Menschen oder ein Tier, schlagartig in tiefe Traurigkeit und Schmerz umschlägt, haben Sie den Verlust überwunden. Daran werden wir arbeiten!"

   Die für das ursprünglich geplante autogene Training vorgesehene Zeit ist verstrichen, und es wäre längst Zeit, zum Mittagessen zu gehen. Der Stationsarzt fragt alle Anwesenden, ob Einverständnis herrsche, noch eine weitere Viertelstunde über das Problem unserer Mitpatientin zu sprechen. Es gibt keinen Widerspruch.

   Die Traurige erhält die Aufgabe, an diesem Nachmittag allein im Klinikpool Schwimmen zu gehen. "Allein. Nicht in Begleitung anderer Patienten!"

   Die Traurige sieht ihn erschrocken an: "Das kann ich nicht. Ich kann mich nicht überwinden, ins Becken zu steigen..." "Versuchen Sie es!"

 

 

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Frühere Veröffentlichung:

Goodbye, Robin

ENGLISCHE ÜBERSETZUNG
als KAPITEL-SERIE



Referenzen und Lesungen siehe Autorenhomepage www.ilse-koempel.de


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