Auf dem Rückweg zu meinem Zimmer höre ich bereits mein Telefon klingeln. Die Sekretärin des Chefs ist am Apparat, wie immer sehr lebhaft und redselig. Sie kündigt einen Brief meines Vorgesetzten mit sehr freundlichem Inhalt an, den er Ihr bereits kurz nach meiner Abreise diktierte, liest mir einige Passagen vor: "...freuen wir uns darauf, dass Sie gut erholt und mit altem Schwung an Ihren Arbeitsplatz zurückkehren..."
Sofort bin ich argwöhnisch. Weshalb begrüßt er mich nicht einfach nach meiner Rückkehr und sagt es mir persönlich? Es ist doch sonst nicht seine Art, solche Dinge schriftlich zu äußern, „...und es sollen sogar Kopien an den Firmeninhaber und an den Personalchef geschickt werden!" Weshalb dieser Brief, und weshalb diese Kopien? Und weshalb fehlt seine Unterschrift auf der mir von den Kollegen mittlerweile geschickten Grußkarte? Ist dieses Schreiben vielleicht gar nicht in der von der Sekretärin vermuteten wohlmeinenden Absicht formuliert worden?
Wir plaudern noch eine Weile, und wie jedes Telefonat mit Kollegen endet auch dieses Gespräch mit Klagen über den herrschenden Arbeitsdruck. Dann beschwichtigt sie: "Aber ich nehme jetzt ein homöopathisches Mittel, um mich ruhiger zu fühlen - meine Herzschmerzen haben sich etwas gebessert!"




