Die Körpertherapie am Nachmittag im Schwimmbad fällt wie angekündigt aus; ich habe also frei bis zum Abendessen. Auf meinem Bett liegend komme ich wieder ins Grübeln, denke über meine Aufgaben am Arbeitsplatz nach. Die gewohnten Magenschmerzen setzen sein. Um meinen Gedankengang zu unterbrechen, fahre ich in den Ort hinunter, kaufe beim Metzger wieder gegrillte Rippchen und mache dann einen Schaufensterbummel.
Ein örtliches Schreibwarengeschäft bietet eine große Auswahl von Zeichenutensilien und Modelliermassen an. Lange liebäugele ich mit Ölfarben, weiß sie aber nicht zu gebrauchen, und entscheide mich dann für Zeichenblock, Kohlestift, Buntstifte, und Wasserfarben.
Beim Nachhausekommen deponiere ich das kleine Lebensmittelpaket mangels eines Kühlschrankes in dem jetzt im Winter leeren Blumenkasten vor dem Fenster, ähnlich einem Alkoholiker, der unruhig wird, wenn kein Getränkevorrat im Haus ist.
Nach dem Abendessen beschert mir das Zeichnen einen friedlichen Abend ohne die gewohnten und gefürchteten immer wiederkehrenden erfolglosen Gedanken, wie ich meine Zukunft gestalten soll. Ich will meine Gefühle ausdrücken. Statt des beabsichtigten sprungbereiten, fauchenden Panthers, der meinen gespannten Zustand und die so häufig empfundene Aggression darstellen soll, blickt mir jedoch vom Zeichenblatt eine zahme Hauskatze entgegen. Wie ich beim Zubettgehen überrascht feststelle, blieb der Essenvorrat an diesem Abend unberührt.
Während ich nach Richards Anruf auf den Schlaf warte, stelle ich mir wieder mein künftiges Leben als Schriftstellerin vor, meinen Tagesablauf, die interessanten Recherchen, die Befriedigung bei der Fertigstellung eines Manuskriptes, die Spannung, ob es Interesse finden wird, den großen Erfolg, Lesungen vor Zuhörern, Diskussionen über Inhalte - angenehme Gedanken, denen ich gerne weiter nachhänge und die ich mit in den Schlaf hinübernehme, ohne das sonstige Unbehagen bei rastlosem Schlaf und kurzen Traumfetzen. Noch beim Aufstehen am nächsten Morgen fühle ich eine ungewohnte innere Ruhe, eine Art Vorfreude statt der zur Gewohnheit gewordenen Niedergeschlagenheit.




