Burnouts - Die Mackenburg

... doch Vorsicht - dieser Roman kann das Bewußtsein verändern !

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Burnouts - Die Mackenburg Kapitelübersicht 11. Kapitel „DU BIST JA HYSTERISCH!"

11. Kapitel „DU BIST JA HYSTERISCH!"

Außer der von der Ärztin ausgestellten Kliniküberweisung benötige ich die Kostenübernahmeerklärung meiner Krankenkasse. Der Antrag wurde von der örtlichen Filiale mit Eilvermerk an die Hauptgeschäftsstelle geschickt.

   Die Laufereien für den Antrag, die Vermittlung zwischen Ärztin und der Sachbearbeiterin der Krankenkasse, die sich beide weigern, direkten Kontakt miteinander aufzunehmen und mich stattdessen mit Nachrichten hin und herschicken, treiben mich noch weiter in die Erschöpfung. Ich hätte mir dringend sofortige Krankschreibung durch die Ärztin gewünscht, befürchte aber ihre Ablehnung, da sie sehr unter Kassendruck zu stehen scheint, und bitte sie deshalb nicht darum.

   Immer wieder Tränen, auch in den Gesprächen mit der Mitarbeiterin der Krankenkasse, die sehr mitfühlend mit mir umgeht und sich bereits vor der offiziellen Genehmigung um einen Klinikplatz bemüht. Die wenigen schon etablierten Häuser sind auf Monate voraus belegt, lediglich eine Klinik in Frankfurts näherer Umgebung hat freie Kapazitäten: "Unterbringung überwiegend in Einzelzimmern - jedoch ohne Garantie!"

   Trotz meiner Erschöpfung protestiere ich sofort: "Bitte verstehen Sie mich: Sosehr ich mich danach sehne, Erholung zu finden - Ich möchte jedoch auf gar keinen Fall Gefahr laufen, monatelang ein Zimmer mit einem mir fremden Menschen teilen zu müssen - und ich möchte weit weg. So weit als möglich!"

   Die Sachbearbeiterin versichert mir freundlich, sie werde sich weiter bemühen und mir Bescheid geben, sobald die Genehmigung einträfe und sie einen geeigneten Platz für mich gefunden habe.

Meine Stimmung wechselt jetzt von einem Augenblick zum andern. Ich reiße mich mit aller Kraft zusammen, bin entweder den Tränen nah oder extrem beherrscht, oft aggressiv, um nicht zu weinen. Kurzzeitige Erleichterung durch Ablenkung meiner Gedanken finde ich nur noch bei Stammtischbesuchen, Nikotin- und Alkoholkonsum, oder durch Essen.

   An den Abenden zwischen Lokalbesuchen, die ich müde zu Hause verbringe, verschlinge ich Unmengen an Nahrungsmitteln und Süssigkeiten, die ich auf dem Nachhauseweg vom Büro kurz vor Ladenschluss eilig einkaufe und sofort nach Betreten der Wohnung innerhalb meiner Reichweite auf dem Wohnzimmertisch aufbaue. Ich esse auf Kissen gestützt halbaufgerichtet auf der Couch liegend, schiebe Wurstscheiben, Kekse, Schokolade ohne hinzusehen in den Mund, und lese bei laufendem Fernsehgerät alles an Gedrucktem, das mir in die Hände kommt, um meine Gedanken an den Text zu fesseln und für kurze Zeit in eine andere Welt einzutauchen.

   Aus den ebenfalls von mir eingekauften Zutaten für die warme Hauptmahlzeit des Tages bereitet Richard das Abendessen vor und verzehrt es allein am Tisch im Esszimmer sitzend. Während der zu Hause gemeinsam verbrachten freien Zeit schweigen wir uns an, gelegentliche Versuche der Konversation rufen allzu oft Wutausbrüche oder Tränen bei mir hervor, wenn ich mich falsch verstanden oder meine Meinung ignoriert fühle, von Richard kommentiert mit der verärgerten Bemerkung: "Du bist ja hysterisch! Mit dir kann man einfach nicht reden..."

   Trotzdem spüre ich Richards Verstörung. Er weiß nicht, wie er mit meinen Stimmungsschwankungen umgehen soll, bedauert mich offensichtlich auch. Immer wieder beteuert er mir, dass er mich liebt, und nimmt mich beruhigend in die Arme.

   Meine Bitte um Gewährung von zwei Wochen unbezahlten Urlaubs für meinen geplanten Australienflug lehnt mein Vorgesetzter ab: "Ich trete selbst einen Urlaub an und möchte, dass während meiner Abwesenheit alle Abteilungsleiter im Haus sind. Wir können noch einmal über Ihren Wunsch sprechen, wenn Sie wieder aus der Klinik zurück sind - ich frage mich ohnehin, wie Sie sich bei Ihrer Arbeitsbelastung zusätzliche freie Tage vorstellen!"

 

 

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Frühere Veröffentlichung:

Goodbye, Robin

ENGLISCHE ÜBERSETZUNG
als KAPITEL-SERIE



Referenzen und Lesungen siehe Autorenhomepage www.ilse-koempel.de


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