Meine Überlegungen zu einem Single-Leben münden unweigerlich in der Erkenntnis, dass ich meinen gutbezahlten Arbeitsplatz um jeden Preis behalten muss.
Ein Großteil meiner Gedanken kreisen deshalb um die Situation im Betrieb, immer wieder spulen sich nicht nur die realen, frustrierenden Gespräche mit meinem Vorgesetzten vor meinem geistigen Auge ab, sondern auch fiktive Unterhaltungen, in denen ich meine mögliche Verteidigung gegen künftige Vorwürfe wegen unerledigter Arbeiten zurechtlege.
Gleichzeitig denke ich an Robin, spüre unablässig die Sorge um ihn, und grüble darüber nach, ob eine Beendigung meiner Ehe mit Richard mir wirklich neue Perspektiven bieten könnte, entsprechend dem zwischenzeitlichen Rat meiner Ärztin, konkrete Gedanken über ein Leben nach der Trennung zu entwickeln.
In meinem Kopf läuft ein mehrspuriger Film mit verschiedenen Handlungen ab. Die Konzentration auf meine berufliche Arbeit wird immer schwieriger, nahezu unmöglich. Nachts finde ich kaum noch Schlaf, werfe mich ruhelos von einer Seite auf die andere. Die Gedanken rasen ziellos, in Bruchteilen von Sekunden schießen Szenen- und Gedankenfetzen an mir vorbei, bereits wieder verschwommen, bevor ich sie festhalten kann. Meine Träume sind beladen von Angst- und Schuldgefühlen. Ganz selten habe ich während eines Traumes das Gefühl, eine vage Lösung förmlich greifen zu können, und versuche dann beim Erwachen angestrengt, aber erfolglos, das Thema zurückzurufen.
Ich ziehe mich von Freunde und Verwandten zurück, fühle mich überfordert von den Gesprächen über alltägliche Kleinigkeiten, will nicht mehr die nette Gesprächspartnerin sein, möchte nur noch allein meinen Gedanken nachhängen im krampfhaften Bemühen, Ordnung in das verzwickte Puzzle meines Lebens zu bringen.
Doch trotz meines Bedürfnisses nach Ruhe erwarte ich undeutlich Reaktionen auf meinen Rückzug, Nachfragen nach meinem Befinden. Sie bleiben aus.




