Burnouts - Die Mackenburg

... doch Vorsicht - dieser Roman kann das Bewußtsein verändern !

  • Schrift vergrößern
  • Standard-Schriftgröße
  • Schriftgröße verkleinern
Fehler
  • Fehler beim Laden des Feeds!
Burnouts - Die Mackenburg Kapitelübersicht 6. Kapitel DIE PSYCHIATERIN

6. Kapitel DIE PSYCHIATERIN

Es vergehen weitere Wochen, in denen ich mich täglich stärker überwinden muss, auch nur die allernotwendigsten Dinge zu Hause und am Arbeitsplatz zu erledigen. Oft sitze ich lange Zeit reglos am Schreibtisch, ignoriere Telefon und Funkruf, sehe grübelnd zum Fenster hinaus, schüttele mich bei dem Gedanken, auf diese Weise die vor mir liegenden Jahre zu verbringen. Um mich aus meiner Lethargie zu reißen, versprühe ich mein Parfüm im Büro, genieße den Duft, der mir wenigstens für kurze Zeit ein angenehmes Gefühl gibt. Trotzdem spüre ich, wie der letzte Funken Energie allmählich aus mir zu entweichen droht.

Als ich absolut nicht mehr weiter weiß, sehe ich als einzige Möglichkeit, mir aus meinem Tief herauszuhelfen, Gespräche mit einer Psychiaterin und Neurologin, an die mich mein Hausarzt vor einem Jahr aufgrund meines ständig steigenden Blutdrucks und meiner Klagen wegen Überforderung überwies. Seine Diagnose lautete: "Durchsetzungsprobleme".

Die Ärztin machte mir damals in wöchentlichen Sitzungen deutlich, dass meine Bedürfnisse von meiner Umgebung nicht ausreichend ernstgenommen würden. Nach meiner Schilderung der kritikgeladenen Atmosphäre am Arbeitsplatz empfahl sie mir, meinen Kollegen vorzuschlagen, bei jeder negativen Erwähnung des Vorgesetzten Geld in eine gemeinsame Kasse zu legen, ihn davon am Jahresende gemeinsam zum Essen einzuladen und freundlich zur Änderung seines Verhaltens aufzufordern. Ich zweifelte jedoch am erforderlichen Mut Aller zur offenen Äußerung gemeinsamer Kritik.

Andere praktische Ratschläge meiner Ärztin, mich selbstbewusster und damit konsequenter zu verhalten, befolgte ich größtenteils erfolgreich. Dies führte jedoch unweigerlich zu missbilligenden Reaktionen bei den Betroffenen, auch meines Ehemannes Richard. Die Ärztin bat ihn zu einem Einzelgespräch in ihre Praxis, um sich selbst ein Bild der von mir so negativ geschilderten Beziehung zu machen. Dann sagt sie zu mir: "Ihr Mann liebt Sie! Aber er respektiert aus Bequemlichkeit Ihr Bedürfnis nach Pflichtenteilung nicht."

Sie riet mir, ihm eine Frist zu setzen, ab der ich faire Beteiligung erwartete - und mir eine Haushaltshilfe zu engagieren, falls seine stärkere Unterstützung ausbliebe. Ich verfiel stattdessen in die gewohnten Klagen: "Und die immer wieder verschobenen Reparaturen in der Wohnung...? Es treibt mich zur Weißglut, immer wieder bitten zu müssen, und immer vertröstet zu werden! Es ist doch auch seine Wohnung!"

Sie antwortet in bestimmtem Ton: "Setzen Sie ihm eine Frist - und beauftragen Sie einen Handwerker, falls weiterhin nichts geschieht. Reiben Sie sich nicht an Lappalien auf. Bei Ihrem Lebensstandard spielt eine Handwerkerrechnung keine große Rolle."

Ich dachte an unseren ständigen Geldmangel, die kurze Phase unserer gemeinsamen Abarbeitung der Arbeitszettel, wie schnell sie wieder endete - und resignierte zugunsten oberflächlicher häuslicher Harmonie, nach der ich mich so dringend sehnte. Gelegentlich wurde meine Resignation durch Wutanfälle und Tränen unterbrochen, von Richard mit Schweigen beantwortet. Oft erhielt ich dann später von ihm einen Blumenstrauß: "Damit du wieder ein anderes Gesicht machst..." - von mir als Geste der Versöhnung bereitwillig akzeptiert.

Als ich bei einer Freizeitplanung zusammen mit Freunden meine Wünsche verwirklicht sehen wollte und nach mehreren erfolglosen Bemühungen, Richard und die anderen für mein Vorhaben zu begeistern, wütend reagierte, sagte unser gemeinsamer Freund Herbert zu mir: "Regine, du veränderst dich sehr zu deinem Nachteil: Du wirst Alice Schwarzer immer ähnlicher! Früher warst du so umgänglich und freundlich - wenn du lachst, gefällst du mir viel besser!"

"Ich sehe keinen Nachteil darin, Ähnlichkeiten mit Alice Schwarzer zu zeigen, ganz im Gegenteil: Sie hat keine Angst vor negativen Reaktionen auf ihre Meinung. Ich will nicht immer nur lachen und mich anpassen - und dabei hilft mir die Ärztin!"

"Du solltest diese Therapie sofort beendeten! Diese Frau ist Gift für dich!"

Ich reagierte erbost: „Es gibt Menschen, bei denen man mit dem Brecheisen arbeiten muss, um nicht untergebuttert zu werden! Sanfte Worte und freundliches Lächeln scheinen für sie Signale, die einfach überhört werden dürfen, wenn es gilt, eigene Pläne zu realisieren... Ich habe dieses Nachgeben zu meinem Nachteil satt!"

Mich belasteten jedoch diese Art Bemerkungen, mit denen meine Bemühungen um konsequenteres Verhalten von den Männern in meinem Umfeld unweigerlich mehr oder minder deutlich abwertend und mit Ausnahme meiner äußerst willensstarken und selbständigen Freundin Carola von Frauen sehr skeptisch kommentiert wurden.

Nach einigen Pausen brach ich dann resigniert die Gespräche mit meiner Ärztin ab, trotz ihrer mehrmaligen eindringlichen Warnung: "Diese Gespräche sind für Ihre geistige Hygiene äußerst wichtig - Sie werden krank, wenn Sie Ihre Probleme nicht konsequent und mit fachlicher Hilfe lösen!"
 

Abhängigkeiten  Aggressionsstörung  Arbeitslosigkeit  Depression  depressive Verstimmung  Erschöpfung  Gedankenkarussell geistige Prostitution  Helfersyndrom  Leistungsdruck  Konzentrationsstörung  psychosomatische Erkrankung  Essstörung  Rückzug  Schlafstörungen  Selbstmord  Angst  Selbstmordgefährdung  Selbstverletzung  sexueller Mißbrauch  Suchtgefährdung  Trauer  Überforderung  Überlastung  Verhaltensstörung  Verlust  Zwänge

Frühere Veröffentlichung:

Goodbye, Robin

ENGLISCHE ÜBERSETZUNG
als KAPITEL-SERIE



Referenzen und Lesungen siehe Autorenhomepage www.ilse-koempel.de


Aktuelle Presse zum Thema

Vorschau

 

       I L S E   K Ö M P E L

 
 

Interaktiv