Burnouts - Die Mackenburg

... doch Vorsicht - dieser Roman kann das Bewußtsein verändern !

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Burnouts - Die Mackenburg Kapitelübersicht 93. Kapitel EIN JAHR SPÄTER

93. Kapitel EIN JAHR SPÄTER

„Das war sehr gut, Regine! Zur Sicherheit machen wir das jetzt nochmal!" lese ich durch die regenbenetzte Glasscheibe vom Mund der drahtigen mdr-Kamerafrau ab. Jetzt lächelt sie mir von draußen aufmunternd zu, und ich sammle mich innerlich, um noch einmal in Mimik und Haltung meine damalige deprimierte Stimmung auszudrücken und gedankenverloren auf die an das Klinikgelände anschließenden Hügel hinauszusehen.

Nach der Aufnahme betritt sie den Glasgang, berät sich kurz mit der Redakteurin, und fordert mich freundlich auf: „Gehen Sie jetzt bitte hinauf vor das Chefarztzimmer und kommen Sie langsam die Treppe herunter. Wir filmen Sie vom Erdgeschoß durch die Sicherheitsnetze zwischen den Etagen. Das Interview machen wir nach der Lesung auf Station!"

Der Saal ist bei unserem Eintreffen eine halbe Stunde später bereits bis auf den letzten Platz besetzt. Ich bin aufgeregt, vor meinen Augen verschwimmen Gesichter und Farben. Erst nachdem ich auf dem Stuhl hinter dem kleinen Tisch mit Leselampe Platz genommen, die beiden vor einem Jahr im Kreativraum der Klinik modellierten und wieder mitgebrachten Händeskulpturen zurechtgerückt und mein Buch aufgeschlagen habe, klärt sich der Schleier, und ich sehe direkt vor mir in der ersten Reihe meine ebenfalls angereisten Freundinnen Carola und Beate, die mich kopfnickend anlächeln.

Die Ärztin macht die Patienten auf das im Hintergrund wartende Filmteam aufmerksam und fragt, ob alle Anwesenden mit den Aufnahmen einverstanden sind. Es entsteht eine kurze Unruhe durch Köpfe Drehen und leise Unterhaltung, niemand hat Einwände, ich spüre wieder die wohltuende Gemeinsamkeit in der vertrauten Umgebung, und werde völlig ruhig.

Das Deckenlicht wird gedämpft, und ich vergesse die Kamera, lese zuerst einige Passagen aus meinem gerade veröffentlichten Buch und schließe dann einige Klinikepisoden an. Beate und der zwischen uns allmählich entstandenen Ost-West-Freundschaft widme ich eine besondere Erzählung. Zu meiner Überraschung zaubert sie von irgendwoher einen Blumenstrauß hervor, überreicht ihn mir, und wir nehmen uns gerührt in die Arme. Nach einer tiefen Stille applaudieren die Zuhörer.

Eine Frau schluchzt auf, bricht in einen Weinkrampf aus und wird sofort von einem aus dem Dunkel des hinteren Saales auftauchenden Therapeuten betreut.

Die Ärztin überreicht mir einen weiteren Blumenstrauß und spricht einige Abschiedsworte; ich bedanke mich herzlich, räume Buch und Papiere zusammen. Ein Mann aus dem Publikum erinnert an Wesentliches: „Wollen Sie uns nicht sagen, wo Ihr Buch erhältlich ist?" Ich gebe Lesezeichen mit Einbandlogo und Bestelldaten in ausgestreckte Hände und sage: „Das hätte ich jetzt wirklich vergessen!"

Carola und Beate packen vorsichtig die Tonhände in die Transporttasche, und wir verabreden, uns nach dem Interview im Ratskeller zu treffen. Dann werde ich von Patienten umringt, beantworte Fragen, schüttele Hände und fühle innerlich eine tiefe Befriedigung. Eine Vision ist Wirklichkeit geworden, nach Umwegen und Hindernissen, nach Aufwallungen von Wut oder Resignation, in einer Klinik im Osten Deutschlands...

Dann spricht mich eine Patienten an: „Sie haben mir Mut gegeben, noch einmal zu versuchen, mein Leben zu ändern! Ich hatte nach meiner Entlassung fast resigniert und bin jetzt zum zweiten Mal hier - erinnern Sie sich an mich?" Ja, ich erinnere mich an sie und das Absatzgeräusch ihrer nervösen schnellen Schritte auf den Fluren, und umarme sie herzlich: „Ich wünsche Ihnen alles Gute beim zweiten Versuch! Sie können es schaffen! Es ist die Anstrengung wert!"



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Frühere Veröffentlichung:

Goodbye, Robin

ENGLISCHE ÜBERSETZUNG
als KAPITEL-SERIE



Referenzen und Lesungen siehe Autorenhomepage www.ilse-koempel.de