Die Heimfahrt verläuft problemlos; die Autobahnen sind nahezu frei. Ich mache zwei Pausen, und sechs Stunden später biege ich auf die Einfahrtsstraße zu meinem Heimatort ein, wundere mich kurz über mehrere Polizeifahrzeuge und die vielen Menschen auf Straße und Bürgersteig. Fasching! Ich hatte es bereits wieder vergessen. Heute ist Faschingsdienstag, und dies ist die Strecke des Faschingszuges, der sich wohl gerade auf einer Seitenstraße formiert!
In der dichten Menschenmenge komme ich nur im Schritttempo voran. Mein Wagen wird mit Konfetti und Luftschlangen beworfen, lachende Gesichter beugen sich herunter zu den Scheiben. Ich habe den Impuls, das Autoradio aufzudrehen und Faschingsmusik auf voller Lautstärke zu spielen. Nein. Lieber nicht. Noch zwei ruhige Seitenstraßen. Zu Hause!
Ich parke den Wagen, lasse alles Gepäck im Heck, gehe erwartungsvoll die Treppe hinauf. Richard öffnet die Tür, kommt mir freudestrahlend entgegen, nimmt mich in die Arme und will mich überhaupt nicht wieder loslassen: "Endlich bist du wieder daheim! Du hast mir so gefehlt!"
Dann gehen wir gemeinsam in die Wohnung, in der Zwischenzeit wohlgepflegt von unserer "Hausfrau". Auf dem Wohnzimmertisch steht ein herrlicher Blumenstrauß. Die alten Sitzmöbel sind zu meiner freudigen Überraschung verschwunden, wurden von Richard nach unserem Telefonat ersetzt durch die blauvioletten Ledermöbel, die ich damals grün in Erinnerung hatte und die jetzt in wunderbarem Kontrast zu den Bildern an den weißen Wänden und den üppigen Grünpflanzen im Raum stehen.
Mein Blick bleibt kurz am Bild der sitzenden Frau in irrealen Farben und verschobenen Proportionen hängen - sie ist nur noch eine schwache Erinnerung an eine konturenlose Zeit. Richard erwähnt einen Anruf vom Vormittag, in dem sich die Firmen-Personalchefin nach dem genauen Zeitpunkt meiner Rückkehr erkundigt und angekündigt hatte, sich heute wieder zu melden, um ein persönliches Gespräch zu vereinbaren. Mich durchläuft ein banges Gefühl: „Jetzt wird sich herausstellen, ob ich wirklich in der Lage sein werde, meine neuen Ziele durchzusetzen..."
Richard sagt beruhigend: „Du schaffst das schon!"




