Mittwoch. Große Gruppe. Thema ist die enorme stimmliche Lautstärke meines Zimmernachbarn Rainer abends im Wohnzimmer nach Beginn der Nachtruhe. Rainer ist laut. Sehr laut. Ich höre ihn auch während der Nacht aus dem Zimmer neben mir. Er würgt und hustet stundenlang.
Thomas, der junge Mann, dem es nach seiner Ankunft so schlecht ging, dass er tagelang nicht an Mahlzeiten teilnahm, ist in der Zwischenzeit selbstbewusster geworden. Sein Zimmer liegt neben dem Wohnzimmer, und er erwähnt den nächtlichen Lärm in sachlicher Weise, bittet um Abstellung.
Trotz seiner bebenden Hände lässt er sich von Rainers Erklärungen, er komme vom Bau und dort sei es eben laut, nicht aus dem Gesprächskonzept bringen.
Der Oberarzt fragt unter anderem auch mich nach meiner Sicht der Dinge.
"Ich glaube nicht, dass es Rainer auch bei gutem Willen möglich ist, so leise zu sein wie andere - er hat von Natur aus ein gewaltiges Stimmvolumen. Es wäre am einfachsten, die beiden würden ihre Zimmer tauschen."
"Dies würde das Kommunikationsproblem der beiden Patienten nicht lösen."
Rainer ist zu meiner Überraschung jetzt sehr geknickt darüber, dass "alle auf ihm herumhacken". Thomas' Haltung dagegen wird von allen Gruppenmitgliedern bewundert. Er hat sich von einem schüchternen, vor körperlicher Nähe im Wohnzimmer oder auf den Fluren zurückzuckenden Bündel Mensch innerhalb weniger Wochen in einen Mann mit Konturen und deutlichen Willensäußerungen verwandelt.
Thomas bietet Rainer ein gemeinsames Gespräch unter vier Augen an. Rainer hat wieder Oberwasser und seine übliche Lautstärke zurückgewonnen: "Nu klar! Das machen wir! Gehst du am Samstag mit mir zum Fußballplatz? Dynamo Dresden spielt gegen Eintracht Frankfurt!"
Am Ende der Gruppenstunde die übliche Frage des Oberarztes, wer nächste Woche nicht mehr dabei sein wird. Zwei Hände gehen hoch: Konrad und ich werden abreisen. Der Oberarzt fragt Konrad nach seinen Erfahrungen, Gefühlen und Zielen. Konrad ist während seines Aufenthaltes lockerer geworden, glaubt, dass seine Probleme im Umgang mit seiner Frau auf seine gespannte Beziehung zu seinem dominanten Vater zurückzuführen sind, gegen dessen Beeinflussung er sich jetzt besser zur Wehr setzen kann, ohne seinen Ärger auf seine Frau zu übertragen.
Ich spüre, wie meine Halsmuskeln sich anspannen, mein Blutdruck steigt. Wird der Oberarzt mich ebenfalls ansprechen? Und auf welche Weise? Dann sieht er mich an, scheint überrascht: "Ich bin verwundert, dass die Zeit doch so schnell vorüberging. Meinem Gefühl nach wären Sie noch einige Wochen hier."
"Ich fahre am nächsten Dienstag, und ich freue mich darauf! Insgesamt gesehen war ich sehr gerne hier. Ich habe mich erholt, und ich traue mir jetzt zu, mich ohne Nachteile von meinem Arbeitgeber zu trennen. Und ich freue mich auf meinen Mann. Ich bin jetzt abschiedsbereit."
"Jetzt?"
"Jetzt!"
Hatte er einen weiteren Verlängerungswunsch erwartet? Ich bin stolz auf meine Gelassenheit und die friedvolle Verabschiedung. Er hebt die Runde auf, erhebt sich und kommt auf mich zu, gibt mir die Hand: "Alles Gute!"
"Danke!"
Schon im Begriff, zu Konrad hinüberzugehen, wendet er sich mir noch einmal zu und beteuert lächelnd: "Alles Gute! - Und ich meine das auch so!"
Ohne zu wissen, weshalb, amüsieren mich seine Worte. Ich lächle zurück: "Danke. Gleichfalls!"
Die letzten Tage vergehen schnell. Jaqueline hatte sich mir in den vergangen beiden Wochen sehr eng angeschlossen, mir ihren Lebenslauf und ihr Problem erzählt: Ihr Mann hat sie nach 12jähriger Ehe verlassen und wohnt jetzt mit einem homosexuellen Freund zusammen, mit dem er bereits während der Ehe intim verkehrte.
Jaqueline leidet unter Waschzwang, steht Stunde um Stunde unter der Dusche, wäscht sich unzählige Male die Hände, lässt dabei ihren Haushalt verkommen, kann keiner Berufstätigkeit nachgehen.
Ihre wiederholte Frage an den Stationsarzt nach den Gründen ihrer Zwänge wurde von ihm mit der Anweisung beantwortet, sich energisch mit dem Wort STOP das Unterlassen zu befehlen. Sie hat auf seinen Rat in ihrem Zimmer zahlreiche selbstgefertigte rote Stoppschilder mit Aufschrift angebracht.
Am Sonntagmorgen gehen wir nach dem Frühstück gemeinsam in die Schützenstube zum Kaffeetrinken. Während unserer Unterhaltung blickt Jaqueline plötzlich abwesend, sieht immer wieder an sich herab, berührt verstohlen ihren Pullover, riecht daran. Immer wieder. Der Wirt sieht bereits herüber, scheint nicht zu wissen, was er von ihrem Benehmen halten soll. Jaqueline entschuldigt sich, geht zur Toilette, um sich die Hände zu waschen.
Der Wirt kommt zu mir herüber. Wir kennen uns durch frühere Gespräche während meines häufigen Grübelns bei einem Kännchen Kaffee. "Was ist mit Ihrer Bekannten?"
"Sie glaubt, sie sei irgendwie beschmutzt. Sie duscht und wäscht sich dauernd, manchmal stundenlang. Sie leidet sehr darunter. Oft kann sie keinen anderen Gedanken fassen."
Er blickt bestürzt und teilnahmsvoll: "Ein Jammer! Sie sieht aus wie eine Vollblutfrau. So sexy!" Er schwärmt noch weiter von Jaquelines schrägen grünen Augen und ihren schwarzen Haaren: "Wie eine Katze! Der Traum jeden Mannes! Armes Mädchen - hoffentlich wird sie wieder gesund!"
Jaqueline kommt zurück, lacht jetzt wieder. Zwischen den beiden beginnt ein spaßhafter Flirt. Sie stellen schnell fest, dass sie beide aus Gera stammen. Das Lokal ist fast leer, und die beiden unterhalten sich lange angeregt.
Dann fällt wieder ein Schatten auf Jaquelines Gesicht. Sie will sofort zahlen und gehen. Wir brechen auf. Draußen bricht sie in einen Weinkrampf aus, umarmt mich fest: "Es wird wieder schlimmer! Die letzten Tage ging es mir ganz gut, ich habe mich in deiner Gesellschaft so wohl und beschützt gefühlt... und jetzt fährst du ab! Ich halte das nicht aus!"
"Jaqueline, bitte beruhige dich - ich bin ja nicht aus der Welt. Wir sehen uns bestimmt einmal wieder!" Sie hängt sich bei mir ein, schmiegt sich an mich: "Bestimmt? Du sagst das nicht nur so? Wir bleiben ganz bestimmt in Kontakt?"
"Bestimmt!"
Trotz meiner Beteuerungen distanziere ich mich bereits innerlich, bereite mich in Gedanken schon auf die Abreise vor. Ihre Nähe, ihr Klammern, wird mir zu viel. Im Speisesaal der Klinik essen wir an verschiedenen Tischen, und sobald sie ihre Mahlzeit beendet hat, kommt sie unweigerlich an meinen Tisch, setzt sich auf einen freien Platz und wartet, bis ich ebenfalls den Speisesaal verlasse. Sie ist ständig in Geldnot, macht Anleihen bei Patienten, sucht dann wieder Fahrtgelegenheiten nach Dresden, um von einer Bank Geld abzuheben, will mich davon zu Besuchen ins Eiscafé einladen, sagt, dass es für sie das höchste Vergnügen sei, ganz nah mit einem vertrauten Menschen zusammen zu sein, für jemanden zu sorgen.
Ich wehre ihre Einladungen ab, lade sie stattdessen zu Spazierfahrten ein. Die Abende verbringe ich nach wie vor in meinem Zimmer. Sie will auch abends bei mir sein: "Darf ich dir Gesellschaft leisten?"
"Du kannst gerne kommen, aber ich brauche noch Ruhe. Ich bin abends müde und möchte mich nicht mehr unterhalten."
"Du wirst überhaupt nicht merken, dass ich da bin. Ich will einfach nur bei dir sein."
Ich willige ungern ein, lege mich aufs Bett und lese; sie setzt sich in einen Sessel und sieht mich an, versucht, ein Gespräch in Gang zu bringen. Ich gehe nur widerwillig darauf ein. Noch zwei Tage... Sie spürt meine Zurückhaltung: "Soll ich gehen?"
"Jaqueline - bitte nehme es mir nicht übel, ich habe jetzt wirklich keinen Sinn dafür, mich mit dir zu unterhalten. Ich möchte einfach hier liegen und lesen."
"Kommst du nachher noch einmal zu mir? Nur, um gute Nacht zu sagen?"
"Ja, das mache ich gerne."
Gegen 22 Uhr klopft es an meine Zimmertür. Ein junger Mann aus meiner Gruppe steht draußen: "Du sollst unbedingt zu Jaqueline ins Zimmer kommen. Sie hat Sekt, und Ullrich ist auch da. Kommst du?"
Ich gehe mit hinüber zu Jaqueline. Sie liegt im Bett, trägt einen leuchtend roten Nicki-Schlafanzug, sehr keusch bis zum obersten Knopf geschlossen.
Ullrich sitzt in größtmöglicher Entfernung auf den unteren Bettrand. Er ist sehr nervös, weicht fast entsetzt zurück, als Jaqueline spaßhaft ihre Decke etwas anlupft und ihn neckend einladend heranwinkt, ihn auffordert, es sich bequem zu machen.
"Darf ich ein Foto von euch machen?" Ich öffne die Tür, um meine Kamera zu holen.
Ulrich protestiert erschrocken: "Nein! Nein! Wenn das meine Frau zu sehen bekäme... Es ist gar nichts dabei! Alles ganz harmlos! Aber bitte mach keine Fotos!"
Er erzählt dann lachend, aber sichtbar verunsichert von einer Therapiemaßnahme unseres Stationsarztes zur Bewältigung seiner Bewegungsstörungen: "Ich soll mich am Markttag unten im Ort allein eine Stunde zwischen die Leute stellen... Jeder wird mich anstarren - vielleicht nimmt mich die Polizei fest..."
Seine Worte berühren mich nicht. Meine Gedanken sind bereits zuhause. Ich trinke ein Glas Sekt, verabschiede mich wieder.
Vorletzter Tag in der Klinik. Am Morgen wie immer montags Stationsgruppe, die dieses Mal in für mich ruhigen Bahnen verläuft, und an deren Ende Konrad und ich uns von den übrigen Patienten verabschieden.
Um 12 soll das Abschlussgespräch mit meinem Stationsarzt stattfinden. Ich habe über eine halbe Stunde Zeit, entschließe mich zu einer kurzen Ausfahrt, rauche im Wagen. Plötzlich wird mir peinlich bewusst, dass ich nicht rechtzeitig zurück sein werde. Ich treffe eine Viertelstunde zu spät in seinem Büro ein, entschuldige mich: "Es tut mir leid. Ich habe mich in der Zeit verschätzt und wollte telefonisch Bescheid sagen..."
"Das ist schon in Ordnung. Ich war schon unsicher, ob wir uns missverstanden hatten, und habe Sie gesucht..."
Wir sitzen uns in seinem Büro gegenüber. Er sieht mich abwartend an.
"Ich war sicher keine einfache Patientin für Sie."
Er lehnt sich zurück: "Wie soll ich Ihre Worte verstehen?"
"Mein Aufenthalt hier war insgesamt erfolgreich, und ich würde mich freuen, wenn wir uns trotz unserer Konflikte freundlich verabschieden könnten."
Auch er kommt mir jetzt entgegen: "Ich habe zur Zeit schwerwiegende private Probleme... Meine Vorgesetzten und meine Kollegen wissen davon und nehmen Rücksicht..."
"Ich hatte von Anfang an den Eindruck, dass Sie zuerst Terminen auswichen oder vergaßen und sich vor mir zurückzogen, weil Sie auf irgendeine Weise belastet sind.
Schade, dass wir nicht früher offen darüber gesprochen haben - ich kenne dieses Verhalten an mir nur zu gut. Ich hätte Verständnis dafür gehabt."
Wir sprechen jetzt sehr locker miteinander. Er sagt: "Es war nahezu unmöglich, an Sie heranzukommen. Die Beziehung zu Ihrem Vater hätte undbedingt näher untersucht werden müssen..."
"Ich denke weiter darüber nach... Ich habe Ihnen etwas mitgebracht!" Ich hatte am Vortag die ersten Seiten meines Buchmanuskriptes ausgedruckt und sie in eine Farbkopie von Vinzenz' "Mackenburg-Bild" eingelegt, zusammen mit einer der ebenfalls mittlerweile von einer Fotografie des Bildes hergestellten Postkarte.
Er bedankt sich erfreut: "Schreiben Sie mir, wie es Ihnen weiter ergeht? Ich bin sehr gespannt! Und falls es erforderlich wird, dass Sie zu einem weiteren Aufenthalt in die Klinik kommen, würde ich mich freuen, Sie wieder in meiner Gruppe zu haben!"
Welche Überraschung! Wie schade, dass ich und mit Sicherheit auch er im Verlauf der Therapie so hohen Einsatz bringen mussten! Ich bin besänftigt, verzeihe ihm in diesem Moment alles. "Es war von Anfang an mein Ziel, diesen zum einzigen Klinikaufenthalt zu machen und nicht von einer Wiederholung auszugehen!"
"Was werden Sie tun, wenn man Ihnen im Betrieb wieder schmeichelt und Sie als eine der besten Kräfte bezeichnet?"
Ich muss lächeln. "Dafür besteht inzwischen nicht die geringste Gefahr..."
"Überlegen Sie trotzdem noch einmal in aller Ruhe, ob Sie diese Arbeitsstelle aufgeben."
"Ich habe mich entschieden. Ich werde in Zukunft schreiben - aber mir ist doch etwas kläglich zumute, jetzt, wo die Auseinandersetzung mit meinem Arbeitgeber unmittelbar bevorsteht."
"Überstürzen Sie nichts. Lassen Sie sich Zeit. Es gibt auch die Möglichkeit einer allmählichen Wiedereingliederung in den Beruf. Ich werde es in meinem Schreiben an Ihre Ärztin empfehlen. Allerdings muss diese Wiedereingliederung dann relativ schnell erfolgen: Einige Wochen verkürzte Arbeitszeit, aber dann gilt wieder: volle Leistung.
Möglicherweise bietet man Ihnen auch einen anderen Arbeitsplatz an. Überlegen Sie genau, ob Sie ein sicheres Einkommen gegen eine unsichere Künstlerexistenz aufgeben wollen. Es kann Jahre dauern, bis Sie damit Geld verdienen."
"Ich habe mich entschieden. Ich werde notfalls mit meinen materiellen Ansprüchen zurückstecken. Ich will einen Beruf, der mir Freude macht!"
"Für die Durchsprache des Computertests wird leider keine Gelegenheit mehr bestehen. Ihr Termin ist ja erst heute Nachmittag... Ach - und fast hätte ich es vergessen: Der Chefarzt ist aus dem Urlaub zurück und fragt, ob Sie ihn noch einmal sehen möchten."
Fast hätte er es vergessen... Auch jetzt hat er wieder versucht, mich auszutricksen, mich durch seine freundlichen Worte so eingelullt, dass ich meine friedliche Stimmung bewahren will. Ich muss wider Willen über seinen Schachzug lachen: "Nein, das ist jetzt nicht mehr nötig." Wir verabschieden uns mit herzhaftem Händeschütteln.
Der letzte Abend mit Jaqueline bedrückt mich. Sie lässt sich wieder und wieder beteuern, dass ich sie nicht vergessen werde. Sie tut mir leid, und ich schenke ihr meinen Füller: "Hier, Jaqueline! Damit du siehst, dass ich weiter mit dir in Kontakt bleiben will: Schreibe mir Briefe, und ich antworte dir!"
Sie leidet unsäglich unter ihren Zwängen, streicht wieder und wieder mit den Fingerspitzen über ihre Kleidung, wäscht sich mehrmals die Hände, sieht mich beschämt an. Wir gehen zurück zur Klinik, und sie möchte mit mir in mein Zimmer gehen, um länger mit mir zusammen zu sein.
Ihre Anhänglichkeit wird mir zu viel: „Nein, Jaqueline. Sei mir bitte nicht böse - aber wir waren jetzt mehrere Stunden zusammen. Du solltest nicht immer Gesellschaft suchen, sondern mehr in Ruhe über dich selbst nachdenken!"
Sie will mich am Morgen am Auto verabschieden.
Ich gehe hinüber ins Wohnzimmer. Fasching. Rosenmontag. Margarethe, Rheinländerin, hat CDs mitgebracht. Sie tanzt durch den Raum, übersetzt uns die Texte der Bläck Föss. Plötzlich stehen Sektflaschen auf dem Tisch: Rotkäppchen-Sekt, Orangensaft. Gläser werden aus der Miniküche in der Raumecke herbeigeholt. Die Stimmung ist heiter, stets mit Aufmerksamkeit zur Zimmertür, um bei unvermutetem Erscheinen der Nachtschwester die Sektflaschen blitzschnell verschwinden zu lassen.
Beate bittet mich um meine Adresse, will sich nach ihrer Heimreise melden. Ich verabschiede mich für die Nacht, gehe in mein Zimmer, beginne zu packen. Richard ruft noch an, hatte mich vorher nicht erreicht: "Ich freue mich sehr auf Morgen. Pass gut auf dich auf! Bis morgen Nachmittag!"
Am nächsten Morgen Verabschiedung am Frühstückstisch: herzlich von Wolfgang, höflich von den neuen Tischgenossen. Ein neuer Nachbar zur Linken ist erst seit dem Vorabend im Haus, kritisiert alles, schimpft auf Gott und die Welt, die Politik, den Krieg in Ex-Jugoslawien: "Es stinkt alles zum Himmel!"
In der gleichen Stimmung bin ich damals angereist. "Sie werden sehen: Sie werden viel ruhiger werden und das Leben mit anderen Augen sehen."
"Wie lange waren Sie hier?"
"12 Wochen."
"Wie haben Sie diese lange Zeit bloß überstanden? Ich würde am liebsten schon wieder abfahren!"
"Es war eine schöne Zeit. Anstrengend, aufregend, und sehr interessant. Und der Beginn meines zweiten Lebens."
Er schüttelt immer noch den Kopf, murmelt: "12 Wochen..."
Nach dem Frühstück bezahle ich an der Rezeption meine Telefonrechnung und fahre hinunter in den Ort, kaufe einen Blumenstrauß für die Stationsschwestern, und verabschiede mich von ihnen. Dann hole ich meinen Wagen vor den Hinterausgang, fahre meine Taschen mit dem Aufzug hinunter.
Erstaunlich, was sich zusätzlich zu meinem ursprünglichen Gepäck angesammelt hat: Bücher, die Hände auf Granit, meine Zeichenmappe, Kleidung, die Richard mir mitbrachte, Kleidung, die ich aus einem Katalog bestellt hatte, diverse Geschenke, von Ellen, von Jaqueline, Topfpflanzen... Jaqueline, die mir helfen wollte, ist nicht zu sehen, meldet sich auch auf mein Klopfen an ihre Zimmertür nicht, als ich mich von ihr verabschieden will. Ich fahre los.
Im Ort halte ich an der Pfefferküchlerei an, kaufe einige Spezialitäten ein, bitte um Erlaubnis und fotografiere die Inhaberin hinter dem Tresen, verspreche ihr, einen Abzug zu schicken. Ich fotografiere noch einige weitere Gebäude und Geschäfte, in denen ich während der vergangenen Monate einkaufte, und fahre endgültig und mit einem leicht wehmütigen Gefühl ab.




